COTTBUS

ENERGETISCHE STADTSANIERUNG

DAS QUARTIER WENDISCHES VIERTEL

Zur Nachverdichtung des durch Kriegseinwirkungen und Sanierungsstau fragmentierten historischen Stadtkerns entstand in Cottbus/Chóśebuz zwischen 1984 und 1989 das „Wendische Viertel“. Das etwa 10,4 Hektar große Gebiet wird durch die Stadtmauer im Norden und Westen, die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, den Oberkirchplatz sowie die Sandower Straße im Osten und durch die Sandower Straße, den Altmarkt, die Burgstraße sowie die Marktstraße im Süden eingefasst. Der Wohnungsbestand lässt sich zu großen Teilen der GWC Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH zuordnen.

Das Viertel ist in besonderem Maße durch den in Plattenbauweise errichteten Gebäudetyp „INB 80 – Innerstädtischer Neubau 80“ geprägt. Der Name „Wendisches Viertel“ bezieht sich dabei auf die bildkünstlerischen Werke sorbischer und deutscher Künstler an den Gebäudefassaden. Als Teil der Schutzumfangbeschreibung des Denkmalgebietes „Altstadt“ steht das gesamte Quartier unter Denkmalschutz. Die GWC schafft mit dem energetischen Quartierskonzept die Grundlage für nachhaltige Investitionen in den Wohnungsbestand.

Energetisches Quartierskonzept 2018

Wie viele Gebäude sind energetisch saniert oder nicht saniert?

Wie viel m² Photovoltaik sind vorhanden?

Wie hoch ist die CO2-Emission je Einwohner?

Das energetische Quartierskonzept basiert auf einer Analyse und Bewertung des Gebäudebestandes und der technischen Infrastruktur im Quartier. Das Konzept wurde Ende 2018 im Auftrag der GWC Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH fertiggestellt.

Aufbauend auf den Analyseergebnissen wurden, gemeinsam mit örtlichen Akteuren, realistische Energieeinspar- und Klimaschutzziele sowie konkrete Maßnahmen zu deren kurz- und langfristiger Realisierung entwickelt. Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt sich wie folgt dar:

  • Das Quartier liegt in den Geltungsbereichen von: Sanierungsgebiet, Gestaltungssatzung, Fernwärmesatzung und Denkmalbereich „Altstadt“
  • Der industrielle Wohnungsbau des Typs „Innerstädtischer Neubau 80“ (INB 80) ist im Zusammenhang mit der baugebunden DDR-Kunst prägend für das Quartier
  • Dieser Bestand sichert überdies ein sozialverträgliches Mietniveau in der Innenstadt
  • Die GWC – als größter Eigentümer im Quartier – will zielgerichtet in die Modernisierung der Gebäude des Wohnumfeldes investieren
  • Eine sehr restriktive Denkmalschutzauslegung könnte jedoch dem Schutz der Bausubstanz und dafür erforderlichen Eingriffen in die INB 80 Gebäudeaußenhülle entgegenstehen. Nachfolgend werden daher zunächst die Handlungserfordernisse bzgl. der Bausubstanz dargelegt:

INB 80 – Bestandsanalyse der Fassaden

  • Die fortschreitende Fassadenkarbonatisierung ist ein Risiko für deren strukturelle Integrität
  • Die bautechnische Untersuchung von Markt 12 hat gezeigt, dass in ungünstigen Situationen bereits für einzelne Bewehrungsbereiche ein passiver Korrosionsschutz nicht mehr gegeben sein kann. Mit zunehmender Wasseraufnahme der Fassaden steigt das Risiko weiter.
  • Nur Sanierungsmaßnahmen können eine zunehmende Gefährdung der Fassaden stoppen
  • Die Fassadensanierung kann bauphysikalisch sicher und langfristig wirksam mit WDVS erreicht werden. Dabei würde gleichzeitig eine Verbesserung des Regenschutzes und eine Verringerung der thermischen Belastung der Fassaden erreicht werden. Der Beton könnte infolge der Verhinderung der Wasseraufnahme wieder austrocknen und der Gebäudeenergiebedarf würde sich maßgeblich reduzieren.
  • Wo der Denkmalschutz dieses Vorgehen untersagt, kann nur ein karbonatisierungsbremsendes Oberflächenschutzsystem eingesetzt werden. Das bewirkt allerdings nur ein Verzögern des latent vorhandenen nicht erkennbaren Schadensherdes. Und auch dieses System verändert die Fassade sichtbar:
  • Mit dem Schutzsystem könnten zwar die bekieselten Oberflächen erhalten bleiben aber nur pigmentierte Oberflächenschutzsysteme würden längerfristige Wirksamkeit entfalten. Außerdem müssten Schadstellen reprofiliert und neu bekieselt werden auch die Fugen müssten ertüchtigt und so sichtbar verändert werden.
  • Mehr als 50% der Gebäude im Quartier, überwiegend vom Typ INB 80, wurden nach 1984 errichtet und weisen bereits im unsanierten Zustand einen entsprechend höheren Dämmstandard auf als typische Altbauten.
  • Der Gebäudebestand im Quartier weist einen hohen Sanierungsstand auf. Mehr als 70 % der Gebäude sind energetisch teilsaniert, beim INB 80 Bestand sind es über 90 %.
  • Mehr als 65 % der Gebäude im Quartier können in die Energieeffizienzklassen D und E eingeordnet werden, in diese Kategorie fallen auch alle Gebäude vom Typ INB 80.
  • Auf Basis der Datengrundlage 2013 bis 2016 wurde ein mittlerer klimabereinigter Wärmeverbrauch im Quartier von ca. 120 kWh/m²a ermittelt
  • Über 90 % der Gebäude im Quartier werden leitungsgebunden mit Wärme versorgt. So sind 84 % der Gebäude an das Fernwärme- und 8 % an das Erdgasnetz angeschlossen. In Teilen bestehen sowohl ein Fernwärme- als auch ein Gasanschluss.
  • Die Nutzung regenerativer Energien beschränkt sich im Quartier ausschließlich auf die Stromerzeugung durch zwei Photovoltaikanlagen mit insgesamt ca. 600 m². Diese decken bilanziell ca. 1,2 % des Stromverbrauchs im Quartier.

Bilanzierung (Datengrundlage 2013 bis 2016)

  • Der Endenergieverbrauch von 17,6 GWh/a für Gebäude und Straßenbeleuchtung teilt sich auf die Bereiche Wärme mit ca. 76 % und Strom mit ca. 24 % auf. In beiden Bereichen überwiegt der Verbrauch im Sektor Wohnen (ca. 74 % bei Wärme und ca. 60 % bei Strom).
    Der Wärmeverbrauch je Einwohner beträgt ca. 11.000 kWh/a und liegt damit 29 % über dem Mittelwert je Einwohner für die Gesamtstadt gemäß dem kommunalen Energiekonzept.
  • Der Primärenergieverbrauch von 21,6 GWh/a für Gebäude und Straßenbeleuchtung teilt sich auf die Bereiche Wärme mit ca. 49 % und Strom mit ca.
    51 % auf.
  • Die CO2-Emissionen von 5.500 t/a für Gebäude und Straßenbeleuchtung teilen sich auf die Bereiche Wärme mit ca. 56 % und Strom mit ca. 44 % auf. Die CO2-Emissionen je Einwohner betragen ca. 4,7 t/a und liegen damit 34 % über dem Mittelwert je Einwohner für die Gesamt-stadt gemäß dem kommunalen Energiekonzept.
  • Insgesamt wurden 32 Maßnahmen in den Handlungsfeldern Sanierung, Gebäudetechnik, Wohnumfeldaufwertung und Mobilität entwickelt
  • Ein Aktionsplan strukturiert die Maßnahmen bzgl. der Akteure und Umsetzungszeiträume
  • Um die derzeit sozialverträglichen Mietpreise nicht unkontrolliert durch Sanierungsmaßnahmen zu erhöhen, wurden alle Maßnahmen außerdem mit Kosten, Einspareffekten und Förderprogrammen untersetzt.
  • Für den Gebäudebestand beinhalten die Maßnahmen u.a.:
    o Dämmung der Kellerdecken von unten, der obersten Geschossdecken oder Dächer
    o Austausch der Bestandsfenster vor 1995, Austausch von Hauseingangstüren
    o Energetische Sanierung der Fassade (durch Einschränkungen seitens des Denkmalschutzes überwiegend nur als Innendämmung möglich)
    o Fugensanierung sowie Sanierung der Fassadenoberfläche im INB 80 Bestand
    o Verbesserungen beim sommerlichen Wärmeschutz in Einzelfällen
    o Sanierung der Rohrleitungsdämmung in unbeheizten Räumen
    o Optimierung der Wärmeverteilung und der Wärmeübergabe im Gebäude
    o Überprüfung der Fernwärmeanschlussleistung

Download Energetisches Quartierskonzept Wendisches Viertel

Download Kommunales Energiekonzept Cottbus

Alle Maßnahmen im Überblick

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