Das energetische Quartierskonzept

Das energetische Quartierskonzept basiert auf einer Analyse und Bewertung des Gebäudebestandes und der technischen Infrastruktur im Quartier. Die Konzepterstellung wurde  Ende 2014 im Auftrag des Fachbereichs „Stadtentwicklung“ der Stadt Cottbus begonnen. Der Endbericht wurde im März 2016 durch die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

Aufbauend auf den Analyseergebnissen wurden, gemeinsam mit örtlichen Akteuren, realistische Energieeinspar- und Klimaschutzziele sowie konkrete Maßnahmen zu deren kurz- und langfristiger Realisierung entwickelt. Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt sich wie folgt dar:

  • Rahmenbedingungen
    • Der Großteil des Gebäudebestandes besteht aus gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshäusern und befindet sich in privatem Eigentum. Im Untersuchungsgebiet befinden sich außerdem eine Reihe kommunaler Gebäude (z. B. darunter Kammerbühne, Staatstheater, Paul-Werner-Oberschule, Stadtarchiv, Stadtmuseum und Bibliothek).
    • Der Denkmalbereich “Westliche Stadterweiterung (1870-1914)” um die Bahnhofstraße und den Schillerplatz ist durch eine Satzung unter besonderen Schutz gestellt.
    • Die Stadt Cottbus ist im Eigentum der größten Potenzialflächen für Neubauvorhaben im Quartier (z. B. ehemaliges Gaswerk, Viehmarkt, nördliches Bahnhofsumfeld).
  • Energetische Analyse

    Energetische Analyse

    • Es bestehen erhebliche Energieeinsparpotenziale im Gebäudebereich, 80 % der Gebäude sind energetisch nicht oder nur teilweise saniert.
    • Etwa 40 % der bebauten Quartiersfläche ist durch Fernwärmeleitungen erschlossen, wobei gleichzeitig auch über das Gasnetz erschlossen wird (Doppelerschließung).
    • Die Wärmeversorgung der Gebäude erfolgt überwiegend leitungsgebunden über Erdgas (zu 77 %) bzw. über Fernwärme (zu 18 %). Potenzielle CO2-Einsparungen stehen somit in deutlicher Abhängigkeiten zur Entwicklung und Versorgung der Netze.
    • Nur ca. 15 Gebäude werden mit erneuerbarer Wärme versorgt.
    • Insgesamt sind derzeit ca. 1.900 m² Photovoltaikmodulfläche installiert. Der Ertrag deckt momentan nur 3 % des Stromverbrauchs.
    • Im Quartier entfällt der höchste Endenergieverbrauch auf den Bereich Wärme (58 %), gefolgt vom Verkehr (33 %) und Strom (8 %).
    • Die CO2-Emission je Einwohner beträgt 7,3 t/a und liegt damit 50 % über dem Mittelwert für die Gesamtstadt (4,9 t/a).
  • Maßnahmen
    • Einsetzung eines Sanierungsmanagements, dass die Vorhaben umsetzt / fachlich begleitet
    • Einführung eines Energiecontrollings für kommunale Gebäude
    • Die energetische Sanierung des privaten Gebäudebestands ist u.a. mit folgenden Maßnahmen zu unterstützen:
      • Beratung zu denkmalgerechter Wärmedämmung
      • Ansprache von Gebäudeeigentümern mit Handlungsbedarf (unsanierte Gebäude)
      • Förderung von Wohneigentum durch Unterstützung von Wohngruppen
    • Neubauprojekte sind innovativ umzusetzen:
      • Machbarkeitsstudie Solarthermie „Nördliches Bahnumfeld“
      • Machbarkeitsstudie zur zentralen Abwasserwärme Lausitzer Straße
    • Förderung der E-Mobilität und des nichtmotorisierten Individualverkehrs u.a. durch
      • Einrichtung einer Elektro-Mobilitätstation „Nördliches Bahnumfeld“
      • Entwicklung eines Elektro-Ladepunktangebotes
    • Steigerung der Energieeffizienz der Lichtpunkte und der Lichtsignalanlagen

Entwicklungen nach dem Beschluss des Quartierkonzeptes

Auch im Nachgang des Beschlusses des energetischen Quartierskonzepts, durch die Stadtverordnetenversammlung am 30.03.2016, ist die Entwicklung der Westlichen Stadterweiterung dynamisch vorangeschritten. So war u. a. der Baubeginn für verschiedene private Neubauvorhaben entlang der Wernerstraße und die Baufeldfreimachung an der Carl-von-Ossietzky-Straße 15 zu verzeichnen. Darüber hinaus hat ein neuer Investor Bebauungsabsichten für den potenziellen Einzelhandelsstandort an der Lausitzer Straße dargelegt. Neue Planungsvarianten des nördlichen Bahnhofsvorplatzes wurden entworfen und das Entree des Personentunnels befindet sich im Bau.

Top