Das energetische Quartierskonzept

Das energetische Quartierskonzept basiert auf einer Analyse und Bewertung des Gebäudebestandes und der technischen Infrastruktur im Quartier. Die Konzepterstellung wurde  Ende 2014 im Auftrag des Fachbereichs “Stadtentwicklung” der Stadt Cottbus begonnen. Der Endbericht wurde im März 2016 durch die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

Aufbauend auf den Analyseergebnissen wurden, gemeinsam mit örtlichen Akteuren, realistische Energieeinspar- und Klimaschutzziele sowie konkrete Maßnahmen zu deren kurz- und langfristiger Realisierung entwickelt. Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt sich wie folgt dar:

  • Rahmenbedingungen

    Sandow ist die dritte und älteste Großwohnsiedlung sowie der einwohnerstärkste Stadtteil in Cottbus. (15.823 EW, 31.12.2013) Das Quartier profitiert nach wie vor von der Binnenwanderung aus den Rückbaugebieten sowie dem Zuzug von Flüchtlingen und Spätaussiedlern, was die Bevölkerungsentwicklung stabil hält. Im gesamtstädtischen Kontext wird für den Stadtteil ein behutsam qualitativer und quantitativer Umstrukturierungsbedarf beschrieben. Der quartiersprägende industrielle Wohnungsbau ist größtenteils im Eigentum der Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH (GWC) und der eG Wohnen 1902. Daher wird das Sanierungsmanagement in Sandow auch maßgeblich auf diese Unternehmen ausgerichtet sein.

  • Energetische Analyse

    Das Quartierskonzept hat gezeigt, dass vor allem im Bereich der Wärmeerzeugung größere Energieeinsparpotenziale bestehen. Aktuell werden 62 % aller Gebäude in Sandow mit Fernwärme versorgt. Dies entspricht ca. 84 % des Wärmebedarfs im Quartier. Insofern ist durch das Sanierungsmanagement vorrangig zu prüfen, unter welchen Rahmenbedingungen eine Einspeisung regenerativer Energiequellen in das vorhandene Fernwärmesystem technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar ist. Der Fokus im Gebäudebestand mit Fernwärmeversorgung sollte auf der Substitution der benötigten Energie für die Warmwasserbereitung durch Solarthermie liegen. Das Konzept hat dargelegt, dass in Abhängigkeit zur Auslegungsvariante ganzjährig bis zu 60 %, in den Sommermonaten bis zu 100 % des Warmwasserbedarfs abgedeckt werden könnten. Im Neubau (z. B. Spreebogen) hingegen ist die weitgehende Deckung der benötigen Energie für Heizzwecke und Warmwasserbereitung durch Solarthermie anzustreben.

    Der Gesamtstrombedarf lag in Sandow 2013 bei 11,5 GWh/a, davon wurden knapp 12 % durch erneuerbare Energien (Photovoltaikanlagen) abgedeckt. Knapp 97 % aller Photovoltaikanlagen wurden auf Gebäuden des IWB (vorwiegend P2-Typ) errichtet. 84 % der Gebäude, auf denen die Anlagen stehen, befinden sich im Eigentum der GWC. Unter diesen Voraussetzungen ist gemäß den Untersuchungsergebnissen des Quartierskonzepts eine bilanzielle Strombedarfdeckung (durch PV-Module) von 25 % bis 54 % möglich.

  • Maßnahmen

    Vor allem eine Eigenvermarktung von PV-Strom kann für die ansässigen Wohnungsunternehmen und ihre Mieter Vorteile bringen. Hierbei sind grundsätzlich die Modelle Mieterstrom und Energiegenossenschaft seitens des Sanierungsmanagements fachlich zu unterstützten. Im Rahmen der Maßnahmen zur Energieversorgung und Gebäudemodernisierung hat auch insbesondere die Sicherung der Sozialverträglichkeit in Sandow einen hohen Stellenwert. Ohne entsprechende Förderungen sind energetische Modernisierungsmaßnahmen nur mit erheblichen Umlagen realisierbar. Aus diesem Grund wird das Sanierungsmanagement helfen, entsprechende Fördermittel zu akquirieren.

    Der Mobilitätsbereich ist auf Stadtteilebene neben der Wärmeerzeugung der zweitgrößte Energieverbraucher und CO2-Emittent. Aufgrund seiner zentrumsnahen Lage, seiner weitestgehend guten ÖPNV-Anbindung, seiner Nähe zu Grün- und Erholungsräumen, zahlreichen Rad- und Fußwegen und den vorhandenen Angeboten der Nahversorgung hat Sandow sehr gute Voraussetzungen eine signifikante Veränderung im Modal-Split zu erreichen. Hierzu bedarf es Maßnahmen, die zumindest eine Gleichwertigkeit von ÖPNV und MIV in Qualität, Erreichbarkeit und Zugänglichkeit herstellen, um als attraktive Alternative bei den Anwohnern wahrgenommen und genutzt zu werden. Ergänzende, zielgruppenorientierte neue Mobilitätsformen, wie z. B. Car-Sharing-Angebote an Umsteigepunkten (Bus, Tram) verringern den MIV und reagieren auf die vorhandene Knappheit der Stellplätze. Das Sanierungsmanagement sollte insbesondere dazu beitragen, dass diese Aspekte und darüber hinaus auch dem Ausbau der E-Ladeinfrastruktur in künftigen Planungen Rechnung getragen wird.

Entwicklung nach dem Beschluss des Quartierskonzepts

Eine Vertiefung im Konzept sah vor, dass das Shoppingcenter “TKC” zum Teil über Äbwärme der BHKW Klärschlammverstromung der LWG GmbH versorgt werden könnte. In der Zwischenzeit wurde jedoch die Versorgung des TKC-Inselnetzes selbst modernisiert.

Die eG Wohnen 1902 starte 2017 in der Kahrener Straße  14 und 15 mit der Errichtung zweier energieautarker Mehrfamilienhäuser. Die Gebäude versorgen sich selbst mit Wärme und Strom aus der Sonne. Das energetische Grundkonzept der Gebäude geht auf das Sonnenhaus-Konzept zurück. Bei Sonnenhäusern werden mindestens 50 % des Wärmebedarfs mit Solarenergie gedeckt. Jedes Haus hat sieben Wohnungen, die jeweilige Grundfläche beträgt 50 m² bis 130 m².

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