Das energetische Quartierskonzept

Das energetische Quartierskonzept basiert auf einer Analyse und Bewertung des Gebäudebestandes und der technischen Infrastruktur im Quartier. Die Konzepterstellung wurde  Ende 2014 im Auftrag des Fachbereichs “Stadtentwicklung” der Stadt Cottbus begonnen. Der Endbericht wurde im März 2016 durch die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

Aufbauend auf den Analyseergebnissen wurden, gemeinsam mit örtlichen Akteuren, realistische Energieeinspar- und Klimaschutzziele sowie konkrete Maßnahmen zu deren kurz- und langfristiger Realisierung entwickelt. Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt sich wie folgt dar:

  • Rahmenbedingungen
    • Im Untersuchungsgebiet befinden sich lediglich zwei kommunale Gebäude (Glad-House, Fröbel-Kita) die ganzjährig beheizt werden. Der Großteil des Gebäudebestandes befindet sich in privatem Eigentum.
    • Die Stadt Cottbus ist im Eigentum größerer Potenzialflächen für Neubauvorhaben im Quartier. Weitere große Neubauflächen sind in Privateigentum (z.B. eG Wohnen 1902 oder GWC GmbH) oder werden derzeit an private veräußert (ehemalige Merkurbrauerei).
    • Eine bauliche Umsetzung der Flächenpotenziale könnte dazu führen, dass sich bis 2050 die Zahl der Einwohner in Ostrow mehr als verdoppelt. Entsprechende Folgebedarfe für Infrastruktur und Gemeinwesen würden sich ergeben.
    • Denkmalschutz besteht nur für einzelne Gebäude.
    • Gebietsspezifische Förderungsmöglichkeiten ergeben sich für Ostrow aus der Lage innerhalb der Städtebauförderkulisse „Stadtumbau Ost“.
  • Energetische Analyse
    • Es bestehen erhebliche Energieeinsparpotenziale im Gebäudebereich, 65 % der Gebäude sind energetisch nicht saniert.
    • Die Wärmeversorgung der Gebäude erfolgt fast ausschließlich leitungsgebunden über Fernwärme (zu 51 %) bzw. über Erdgas (zu 48 %).
    • Etwa 2/3 der bebauten Quartiersfläche ist netztechnisch doppelt durch das Gas- und Fernwärmenetz erschlossen.
    • Nur drei Gebäude werden mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt.
    • Insgesamt sind derzeit ca. 1.630 m² Fotovoltaikmodulfläche installiert. Der Ertrag deckt momentan ca. 6,5 % des Stromverbrauchs.

    Bilanzierung

    • Im Quartier entfällt der höchste Endenergieverbrauch auf den Bereich Wärme (56 %), gefolgt vom Verkehr (34 %) und Strom (10 %).
    • Die CO2-Emission je Einwohner beträgt 7,07 t/a und liegt damit 25 % über dem Mittelwert für die Gesamtstadt (4,9 t/a).
    • Aufgrund der hohen Anschlussgrade von Fernwärme- und Erdgasnetz liegt das Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien vor allem im Neubau. Die Entwicklung dieser Flächen und zukünftigen Verbraucher ist aktiv durch die Stadt zu steuern.
    • Fotovoltaik und Solarthermie sind im Quartier noch deutlich ausbaufähig. Bei einem jährlichen Ausbau von 900 m² Modulflächen könnten bis 2030 rund 60 % des aktuellen Stromverbrauches durch Fotovoltaik gedeckt werden.
  • Maßnahmen
    • Einsatz eines Sanierungsmanagements, dass die Vorhaben umsetzt bzw. fachlich begleitet
    • Die energetische Sanierung des privaten Gebäudebestands ist u.a. mit folgenden Maßnahmen zu unterstützen:
      • Förderung geringinvestiver Verbesserungen an Heizungsanlagen
      • Beratung bzgl. energetischer Sanierungen und Effizienzstandards im Neubau
      • Unterstützung der Entwicklung eines Wärmecontractingangebotes der Stadtwerke
      • energetische Sanierung industrieller Wohnbauten der GWC bzw. GESAP
    • Neubauprojekte sind innovativ umzusetzen:
      • Busbahnhofsareal ist als “Null-Energie Wohnstandort” zu entwickeln (Bebauungsplan, Fern- bzw. Nahwärmesatzung, Prüfung Abwasserwärme)
      • Fernwärme-Solarthermie-Kopplung beim Neubauvorhaben von eG Wohnen
    • Förderung der E-Mobilität und des nichtmotorisierten Individualverkehrs u.a. durch
      • Einrichtung einer Mobilitätstation am Busbahnhof
      • Ausbau einer E-Ladeinfrastruktur und lokaler Förderanreize
    • Umsetzung der Maßnahmen des Verkehrsentwicklungsplans

Entwicklungen nach dem Beschluss des Quartierkonzeptes

Im Anschluss an den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Quartierskonzept im März 2016 setzte sich die dynamische Entwicklung in Ostrow fort. So wurde die Sanierung der Enke-Fabrik und des Ostrower Platzes begonnen, die der Briesmannstraße abgeschlossen. Der Bereich der ehemaligen Merkurbrauerei wurde beräumt und die Absicht für einen Erweiterungsneubau der Reha-Vita am Ostrower Platz in Aussicht gestellt. Die Stadt ist im Begriff, private Flächen am Busbahnhof für die künftige Entwicklung zu sichern. Die Fläche zwischen Franz-Mehring-Straße und Ostrower Straße (östlich der Briesmannstraße) ist jetzt im Eigentum der GWC und die Entwicklung des Neubauvorhabens von eG Wohnen 1902 (westlich der Briesmannstraße) wird weiter geplant.

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